Siegmund Thies berichtet aus Ecuador

Do., 14.11.2019, 19 Uhr, Café Franz&Lissy, Lisztstraße, Ludwigshafen, Eintritt frei

Siegmund Thies arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Filmemacher und Medientrainer im Amazonasgebiet. Mit seinen Filmen berichtet er über Zerstörung und Widerstand. CiberAmazonas heißt ein neues Netzwerk von Medien- und Kulturaktivistinnen aus dem Regenwald.

Als Medienexperte/EZ- Fachkraft und Filmer realisierte ich entwicklungspolitische Bildungs- und Informationsfilme auf deutsch, spanisch und englisch. Mit indigenen Jugendlichen aus dem Regenwald und unseren Filmen habe ich mehrfach Austausch- und Informationsreisen nach Deutschland begleitet. Wir berichteten über das Leben indigener Völker im Amazonasregenwald und den Umweltzerstörungen. Seit 15 Jahren führe ich als EZ-Fachkraft und Medienexperte Medienworkshops mit jungen Medienmachern im ganzen Amazonasbecken durch.“

Besonders betroffen von der Gier nach den Rohstoffen sind die zahlreichen indigenen Völker, die im und vom Amazonas-Regenwald leben. Doch sie beginnen sich zu wehren. Informations- und Medienkompetenz spielt dabei eine große Rolle. Denn wie Franco Viteri aus dem ecuadorianischen Sarayaku sagt: „Ein schlecht informiertes Volk ist ein schwaches Volk.“ Er muss es wissen, denn seine Kichwa-Gemeinde mit rund 1.200 Einwohnern wehrt sich seit vielen Jahren erfolgreich gegen die Erdölförderpläne der Regierung. Für ihren Kampf nutzen sie das Internet und eine eigene Webseite.

In den vergangenen zehn Jahren haben Goldgräber mehr als 2000 Tonnen Quecksilber in den Amazonas geleitet, Waldrodungen für Sojamonokulturen und den Straßenbau sind an der Tagesordnung. Ölförderprojekte bedrohen inzwischen sogar ausgewiesene Naturschutzgebiete und die dort lebende indigene Bevölkerung.

Nicht über, sondern mit den Menschen aus dem Amazonas zu berichten und ihre Geschichten zu erzählen ist bei meiner Filmarbeit das Anliegen. Bis heute sind es Berichte von kurz Angereisten, die das Bild der Amazonaskulturen prägen. Die Bevölkerung vor Ort kommt ab und zu in einem kritischen Interview zu Wort oder ihr Gesicht hält für Umweltkampagnen her. Aber eigene Texte, Bilder, Dokumentarfilme gibt es nur selten. Aus diesem Grund gründeten wir 2015 das Medienkollektiv von Pororoca Red. Die Idee dazu entwickelten wir bei den Medientrainings, die ich mit jugendlichen Medienmachenden aus Ecuador, Peru, Kolumbien und Brasilien als EZ-Fachkraft von BfdW durchführte. Die von uns aufgebaute dreisprachige Portalseite (pororoca.red) ist ein Neuanfang. Während einer Exkursion junger Medienmachender aus Brasilien, Ecuador und Peru im Mai 2015 starteten wir das Online-Portal. Nach der Reise hat sich die Gruppe zum Ziel gesetzt, den Austausch medialer Produktionen fortzusetzen und weiterhin grenzübergreifend von ihrem Alltag, ihrer Kultur, ihren Herausforderungen und Träumen zu erzählen.  Digitale Medien werden so zu einer neuen und friedlichen Waffe und können zur Wertschätzung der Kultur des Anderen führen und gleichzeitig individuelle und kollektive künstlerische Talente und Ausdrucksformen fördern. Die Kultur bleibt lebendig.

Besonders aktiv sind CiberAmazonas, ein neues Netzwerk von Medien und Kulturschaffenden indigenen Frauen aus dem Amazonasbecken. Sie suchen nach mündlichen Überlieferungen, zeigen Gesichter und Lebensgeschichten von Frauen in deren Sprachen. Sie dokumentieren die Kunst und die Lieder, begleiten sie bei der Zubereitung ihrer Mahlzeiten und ihrer Tänze und machen sie zu Protagonistinnen im Kampf gegen die negativen Einflüsse einer konsumorientierten westlichen Welt. Gemeinsam setzen sich die Frauen vom Netzwerk CiberAmazonas für ein faires Leben und Respekt für alle ein. Sie wollen der Männerdominanz in den Medien entgegen wirken und Emanzipation und Umweltschutz verbinden.